Gedichte über Christbäume

Der Christbaum

Gott in der Höh’ allein sei Ruhm und Ehre
Und Menschen guten Willens Freud’ und Frieden!
Frohlocket, groß und klein! Nun sprosst hienieden
Der Christbaum uns, der ewig grüne, hehre!

Hin starb die Welt, die trost- und liebeleere,
Den Fluren gleich, die Sommerlust gemieden:
Da ward uns jener Heilesbaum beschieden,
Das Kreuz, an Hoffnung reich und sel’ger Lehre.

Licht blüht aus seiner Krone, Himmelsgaben
Trägt er, das Herz durch höhern Trost zu laben
Als aller Weisen Kunst und Erdenschätze.

Denn froh verkündigt ist im Engelliede
Des Höchsten Ehr’ und guter Menschen Friede,
Und Liebe heißt die Summe der Gesetze.

Franz von Pocci 1807 – 1876

Der Christbaum im März

Rings umhaucht von Frühlingslüften
In des Gartens sanftem Winkel,
An den Bretterzaun gelehnt,
Steht im März der alte Christbaum.

Der vordem an Weihnachtstagen
Hell gestrahlt im Lichterscheine,
Kahl nun längst und bar des Schmuckes
Trauert er im Sonnenlichte.

Seltsam fremd schaut hin der Arme
Auf das junge Blütenleben;
Knospen schon treibt der Holunder;
Ihm zu Füßen blühn die Primeln.

Die ihn fröhlich einst umtanzten
Im Dezembermond, die Kinder,
Würd’gen spielend keines Blick’s ihn,
Und der Gärtner stößt ihn seitwärts.

Selbst die Spatzen, die im Winter
Schutz gesucht in seinen Zweigen,
Schau’n verächtlich auf ihn nieder,
Und wie Hohn erschallt ihr Zwitschern

Und er denkt: oh, ständ ich wieder
Einmal noch im grünen Walde,
Dürft’ ich blühen mit den Brüdern
Und wie sie im Walde rauschen!

Eitler Wunsch! Erkenntnis sagt ihm:
Seine Zeit ging längst vorüber,
Überflüssig und vergessen,
Ist er längst sich selbst zur Last.

Und er wünscht: Mitleid’ge Hand
Machte rasch der Pein ein Ende,
Bräch’ ihn ganz und ließ in Flammen
Ihn empor zum Himmel lodern.

Albert Moeser 1835 – 1900

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