Weihnachtsgedicht für en Opa
Weihnacht
Ganz leise in der Heiligen Nacht
Tut auf sich der Wolken Tor,
Draus schweben in glanzumfloss’ner Pracht
Die Engel Gottes hervor;
Sie streifen die schlummernde Erde
Mit ihres Kleides Saum
Und schmücken heimlich am Herde
Den grünen Weihnachtsbaum.
Der Mutter, die bei des Lämpchens Schein
Noch rastlos schaffend sich müht,
Zieht sel’ge Ruhe ins Herz hinein,
Es duftet um sie und blüht;
Des Friedens wonniger Segen
Erfüllt den stillen Raum,
Wie Himmelslichter entgegen
Strahlt ihr’s vom Weihnachtsbaum.
Mit sanftem Kusse weckt sie das Kind,
Nun alles bereitet ist:
Steh’ auf, mein süßer Liebling, geschwind,
Schon kam der heilige Christ!
Vor Schreck und freudigem Bangen
Wagt es zu atmen kaum,
Jubelnd mit glühenden Wangen
Grüßt es den Weihnachtsbaum.
Doch draußen irrt verlassen umher
Ein Kind durch Eis und Schnee.
Das hat nicht Vater noch Mutter mehr
Und weint in einsamem Weh’;
Die Engel jammert sein Leiden,
Sie wiegen’s in lichtem Traum,
Und lächelnd sieht es im Scheiden
Den ew’gen Weihnachtsbaum.
Albert Traeger 1830 – 1912
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